Innenräume alter Kirchen

Aus den Eninger Nachrichten 23/2022 vom 10. Juni 2022.

Wer den Innenraum alter Kirchen fotografiert, ob mit Systemkamera oder mit dem Smartphone, stellt sich fast automatisch für ein Überblicksfoto in den Mittelgang. Denn Kirchenräume sind auf Symmetrie angelegt und haben meist genau geplante Sichtachsen. Wenn man sie in einer dieser Sichtachsen fotografiert, kommt ihre Wirkung am besten zur Geltung.

Zwei unserer Fotos wurden auf diese Weise fotografiert. Das eine, mit niedriger Kameraposition, von der Frauenkirche in Esslingen, betont die perspektivischen Fluchtlinien des Raum: der Säulenreihen, der Kirchenbänke, der Bodenfliesen – und am Ende dieser Fluchtlinien ist das Kreuz mit dem gekreuzigten Christus. Das andere Foto zeigt, senkrecht von unten aufgenommen, das gotische Kreuzrippengewölbe der Pfarrkirche St. Marien in Güstrow. Das Besondere dieser Kirche ist das Triumphkreuz von 1516, das unten im Bild zu sehen ist: Nach Lübecker Vorbild steht auf einem Querbalken im Mittelschiff der gekreuzigte Christus zwischen vier anderen biblischen Gestalten. Die monumentalen Figuren, hier von unten fotografiert, beherrschen den Kirchenraum. Im 19. Jahrhundert wurden sie abgebaut und erst 1928 auf Initiative des Bildhauers Ernst Barlach, der in Güstrow lebte, wieder in der ursprünglichen Anordnung aufgestellt.

Das Gegenstück zu diesen beiden repräsentativen Stadtkirchen ist unser drittes Bild, eine bescheidene alte Dorfkirche auf Zypern. Im Halbrund der Altarapsis aus Natursteinen stehen unter einem Öllämpchen im Seitenlicht das Kreuz, ein Heiligenbild und zwei Leuchter. Sie sind nicht Teil einer geplanten Innenausstattung, sondern mit einfachen Mitteln arrangiert. Das Ganze wirkt schlicht, ursprünglich, einladend, fast familiär.

Peter Nabholz
Pfarrkirche St. Marien in Güstrow: Kreuzrippengewölbe und Triumphkreuz
Belichtungszeit: 1/40 s. Blende: f/7,1. Brennweite: 18 mm. Empfindlichkeit: ISO 3200. Format: APS-C.
Martin Stein
Frauenkirche Esslingen
Belichtungszeit: 1/6 s. Blende: f/4. Brennweite: 15 mm. Empfindlichkeit: ISO 400. Format: Micro-Four-Thirds.
Dietmar Werz
Dorfkirche auf Zypern
Belichtungszeit: 1/20 s. Blende: f/7,1. Brennweite: 18 mm. Empfindlichkeit: ISO 1600. Format: APS-C.

Mit den Fotofreunden beim Fotografieren

Aus den Eninger Nachrichten 212022 vom 27. Mai 2022.

Am 17. Mai haben sich die Fotofreunde auf einer Blumenwiese getroffen, um Blumen im abendlichen Gegenlicht zu fotografieren. Auf den ersten Blick blühte dort nur Hahnenfuß, aber die Fotos, die gemacht wurden, beweisen, dass es noch mehr zu entdecken gab.

Die Fotos von diesem Abend, die wir heute in den Eninger Nachrichten zeigen, sind überwiegend Makroaufnahmen einzelner Blüten, teils mit dem Makro-Objektiv fotografiert, teils mit einem Teleobjektiv. Auch die Tiefenschärfe ist sehr unterschiedlich gewählt: Auf dem Bild, das einen Ausschnitt der Wiese zeigt, ist die Blende weit geöffnet. Das führt dazu, dass nur einzelne Blüten scharf abgebildet sind und der Rest der Blüten in der Unschärfe verschwimmt. Im Einzelbild des Hahnenfußes ist die Blende dagegen relativ weit geschlossen. So werden alle Blütenblätter scharf und auch der Schatten der Staubfäden und der Staubbeutel – eine typische Gegenlichtaufnahme.

Am 31. Mai wollen wir wieder gemeinsam fotografieren, diesmal voraussichtlich im Außenbereich des Umweltzentrums Listhof in Reutlingen. Wer als Gast daran teilnehmen will, erfährt die Einzelheiten und die Schlechtwetter-Alternative bei Dieter Hank (Tel. 0177 8873300) oder er kann sich unter kontakt@fotofreunde-eningen.de anmelden.

Birgit Stiebing
Blumenwiese
Belichtungszeit: 1/1600s. Blende: f/3,2. Brennweite: 105 mm. Empfindlichkeit: ISO 200. Format: Vollformat.
Egon Rudelbach
Wiesenstorchschnabel
Belichtungszeit: 1/2500 s. Blende: f/3,5. Brennweite: 50 mm. Empfindlichkeit: ISO 640. Format: APS-C.
Dietmar Werz
Hahnenfuß
Belichtungszeit: 1/250 s. Blende: f/9. Brennweite: 105 mm. Empfindlichkeit: ISO 100. Format: APS-C.

Liebessymbole

Aus den Eninger Nachrichten 18/2022 vom 14. April 2022.

Zweihundert Jahre ist es her, dass Wilhelm Müller in einem Volkslied dichtete:

Ich schnitt‘ es gern in alle Rinden ein
Ich grüb es gern in jeden Kieselstein …
Auf jeden weißen Zettel möchte ich’s schreiben:
Dein ist mein Herz, und soll es ewig bleiben.“

Das Bedürfnis, die eigene Liebe in einem Zeichen zu verewigen, ist seit damals nicht geringer geworden. Nur die Symbole haben sich geändert. Heute gehört nicht mehr das Taschenmesser zur Standardausrüstung der Liebenden, sondern die Spraydose für Graffiti oder das Liebesschloss, das an einem Geländer angebracht wird, bevorzugt in Paris oder einer anderen Stadt der Liebenden.

Wir hatten bei unserer Themenwahl vor allem an Liebesschlösser und Graffiti gedacht und erst beim Sichten der Bilder bemerkt, dass es auch andere und fotografisch ergiebigere Liebessymbole gibt. Sind nicht Eheringe genauso ein Liebes- und Treuesymbol? Findet man nicht auch auf Gräbern Zeichen der Liebe und des Gedenkens an Verstorbene?

Drei traditionelle Liebessymbole zeigen wir: Eheringe, ein selbst gefertigtes buntes Herz an einem frischen Grab und ein Herz mit Amorpfeil an einem Baum. Das Symbol des vom Liebespfeil durchbohrten Herzen hat nicht nur eine lange Tradition, sondern bekommt in dieser Darstellung noch eine spezielle Wendung: „Freund Hein“ bezeichnet nicht eine Person, sondern ist eine freundschaftliche Bezeichnung für den Tod. Ob sie hier ironisch gemeint ist oder ernst, wird das Geheimnis des Zeichners bleiben.

Marion Renz
Herz an einem Grab in Gönningen
Belichtungszeit: 1/320 s. Blende: f/11. Brennweite: 60 mm. Empfindlichkeit: ISO 800. Format: Micro Four Thirds.
Peter Nabholz
Baum bei der alten Burse in Tübingen
Belichtungszeit: 1/125 s. Blende: f/5,6. Brennweite: 122 mm. Empfindlichkeit: ISO 3200. Format: APS-C.
Dietmar Werz
Eheringe
Belichtungszeit: 1/125 s. Blende: f/16. Brennweite: 200 mm. Empfindlichkeit: ISO 200. Format: APS-C.
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